Lokaler Aktionsplan Neukirchen,  Burkhardtsdorf, Jahnsdorf, Thalheim

PARTNER für VIELFALT in der REGION

Home
Nach oben

 

Programmrichtlinien

 

Die Ziele des Lokalen Aktionsplans haben ihre Grundlage in den Leitlinien des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Programmbereich "Entwicklung integrierter lokaler Strategien" (Lokale Aktionspläne)

 

Demokratie stärken

Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit schaden der Demokratie  und gefährden den Zusammenhalt der Gesellschaft. Dass diese Erscheinungsformen in Deutschland weiterhin keine Randprobleme sind, zeigen die Wahlergebnisse rechtsextremistischer Parteien sowie Berichte aus der pädagogischen Praxis.

Deshalb hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, gerade bei jungen Menschen die demokratische Kultur und das zivile Engagement zu stärken sowie Toleranz und Weltoffenheit zu fördern.

Am 1. Januar 2007 startete das neue Programm "Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Programm setzt verstärkt auf die gemeinsame Initiative und die enge Zusammenarbeit von Bund und Ländern.

Das präventiv ausgerichtete Programm knüpft an die Erfahrungen aus dem Ende 2006 auslaufenden Aktionsprogramm der Bundesregierung "Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" an und setzt zugleich die Empfehlungen der wissenschaftlichen Begleitungen um. Für das Programm sollen jährlich 19 Mio. € Bundesmittel zur Verfügung gestellt werden.

Angesprochen werden sollen mit "Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" insbesondere junge Menschen, rechtsextremistisch gefährdete Jugendliche, Migrantinnen und Migranten sowie Eltern, Erzieherinnen und Erzieher und Lehrerinnen und Lehrer.

Schwerpunkte des Bundesprogramms sind:

- die Entwicklung integrierter lokaler Strategien mittels lokaler Aktionspläne in kommunaler Verantwortung,

- die Entwicklung und Umsetzung themenbezogener modellhafter Maßnahmen,

- die Programmsteuerung, Evaluation, Öffentlichkeitsarbeit, Forschung, Einbindung bundesweiter und lokaler Bündnisse.

Im Förderschwerpunkt "Entwicklung integrierter lokaler Strategien" entwickeln Kommunen/Landkreise/Zusammenschlüsse von Gebietskörperschaften zusammen mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren vor Ort einen lokalen Aktionsplan. Der lokale Aktionsplan beruht auf einer spezifischen Analyse der Problemlagen des Fördergebietes, verfolgt mit konkreten Maßnahmen und Entwicklungsschritten eine langfristige integrierte Strategie zur Demokratieentwicklung und fördert lokale Vernetzungen und Kommunikationsstrukturen.

Für die Erstellung und jährliche Fortschreibung der lokalen Aktionsplans erhalten die Kommunen/Landkreise/Zusammenschlüsse von Gebietskörperschaften Fördermittel, mit Hilfe derer dann konkrete Einzelprojekte zur Umsetzung des Lokalen Aktionsplan finanziert werden können. Die Entscheidung über die Projekte trifft ein lokaler Begleitausschuss, dem neben Vertretern der Kommune auch Vertreter der lokalen Akteure der Zivilgesellschaft angehören sollen. Schwerpunkt dieses Programmbereichs sind die neuen Bundesländer.

 

 

„Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“

 

Mit der Botschaft „Für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ werden positiv besetzte Inhalte transportiert. Sie wirkt dadurch konstruktiv und optimistisch und spricht breite Zielgruppen an.

Die Prävention setzt an den Wurzeln von Radikalisierungsprozessen an. Dem muss ein „zuvor kommender“ Ansatz mit einer „Breitenwirkungen“ ungeachtet konkreter individueller Devianzdispositionen und Risikograde, gewissermaßen eine „Grundlagen– bzw. Basisprävention“ zugrunde liegen, um damit extremen Gruppierungen keinen Gestaltungsraum zu bieten, bzw. denselben zu nehmen.

 

Schwerpunkte bei der Programmumsetzung:

 

Die Umsetzung der Programmziele erfolgt anhand von Schwerpunkten, die übergreifend Aufgabenbereiche beschreiben. Diese werden im Handlungskonzept in den einzelnen Säulen aufgegriffen und konkretisiert.

 

a. Soziale Integration: Die unzureichende Ausbildungs- und Qualifizierungssituation sowie die Reduzierung von Angeboten der kommunalen Jugend- und Sozialarbeit führen gerade in strukturschwachen Regionen dazu, dass es Jugendlichen an Möglichkeiten der sozialen Integration mangelt. Rechtsextremisten und ihren Vorfeldorganisationen gelingt es zunehmend, Jugendliche auf dieser Ebene anzusprechen. Vor diesem Hintergrund bedarf es der verstärkten Förderung demokratischer Strukturen und Angebote, die geeignet sind, Erfahrungen von Teilhabe und Beteiligung zu vermitteln.

 

b. Interkulturelles Lernen/Antirassistische Bildung: Immer wieder zeigt sich, dass Fremdenfeindlichkeit sowie ein Mangel an interkultureller Kompetenz durch fehlende Erfahrungen und Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher ethnischer und kultureller Herkunft und durch die ungenügende Reflexion eigener Voraussetzungen und Vorannahmen befördert wird. Es ist daher wichtig, Angebote interkulturellen und antirassistischen Lernens zu entwickeln und zu fördern, die entsprechende Erfahrungen/Kontakte „auf gleicher Augenhöhe“ ermöglichen sowie helfen sie zu reflektieren und einzuordnen.

 

c. Interreligiöses Lernen: Die zunehmend multiethnische Zusammensetzung der deutschen Gesellschaft ist durch eine große Anzahl von Personen, die verschiedene nicht-christliche und unterschiedlich stark ausgeprägte religiöse Bindungen aufweisen, geprägt. Gleichzeitig bestehen unter der einheimischen Bevölkerung teilweise Wissensdefizite in Bezug auf die unter Migrantengruppen vertretenen Religionen. Interreligiöses Lernen bzw. die Integration interreligiöser Aspekte in interkulturelles Lernen soll den Aufbau eines entsprechend differenzierten Wissens und den Abbau von Vorurteilen bzw. Feindbildern von jungen Menschen mit unterschiedlichem religiösem oder weltanschaulichem Hintergrund befördern. Nicht zuletzt in Bezug auf die Prävention von Extremismus und Islamismus erweist sich interreligiöses Lernen als eine wichtige Voraussetzung.

 

d. Kulturelle und geschichtliche Identität: Nach wie vor gehören Verweise auf historische „Tatbestände“ zum Kernbestand extremer Ideologien und fremdenfeindlicher Argumentationen. Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, angemessene Angebote zu entwickeln und umzusetzen.

 

e. Bekämpfung rechtsextremistischer Bestrebungen bei jungen Menschen: Eine Verstärkung der Einbeziehung rechtextremistisch gefährdeter Jugendlicher in die präventive Arbeit erscheint vor dem Hintergrund der zunehmenden Erfolge rechtsextremer Organisationen bei der Ansprache von Jugendlichen dringend geboten.

 

f. Demokratie- und Toleranzerziehung: In einer durch Vielfalt und Migration geprägten Gesellschaft stellt sich die grundlegende Frage, wie das Miteinanderleben gestaltet werden soll. Demokratieerziehung bietet die Gelegenheit, sich mit einem Demokratieverständnis auseinander zusetzen, das Demokratie nicht nur als politische Herrschafts-, sondern auch als Lebens- und Gesellschaftsform begreift. Dabei stellt sie kritische Fragen nach dem Umgang mit Minderheiten und vermittelt jungen Menschen – gleich welcher Herkunft – die gemeinsamen Grundwerte dieser Gesellschaft. Das Wissen über die allen Menschen gleichberechtigt zustehenden Grundfreiheiten und Rechte sowie die Bereitschaft, diese anzuerkennen und zu verteidigen, stellen dabei wesentliche Voraussetzungen dar, um in der Gesellschaft Verantwortung für sich selbst und andere übernehmen zu können.

 

g. Stärkung der demokratischen Bürgergesellschaft: Eine lebendige und demokratische Bürgergesellschaft wird in erster Linie durch die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger geschaffen, die in ihr leben. Gerade in strukturschwachen Regionen ist zu beobachten, dass gesellschaftliche Gestaltungs- und Beteiligungsspielräume zunehmend von rechtsextremen Organisationen und Parteien besetzt werden. Besonders in den neuen Bundesländern fehlt vielerorts eine demokratische, zivilgesellschaftliche Infrastruktur, die in der Lage ist, situations- und bedarfsorientierte Formen von Beteiligungskultur zu erproben, um Integrationseffekte zu verbessern. Es bedarf daher wirksamer Modelle und Methoden, die besonders auch jene Bürgerinnen und Bürger in gesellschaftliche Entwicklungsprozesse einbinden, die über bisherige Beteiligungsangebote nicht erreichbar waren.

 

h. Forschungsbedarf: Forschungsbedarf besteht vor allem:

- zu Prozessen und längerfristigen Verläufen des sozialen Ausschlusses und der Reintegration rechtsextremer bzw. rechtsextrem gefährdeter junger Menschen.

- zu der Frage, welche Bedeutung dabei geschlechtsspezifisch unterschiedlich ausprägte Rollenbilder bzw. Orientierungs-, Identitäts- und Handlungsmuster haben.

- zu der Entstehung und Entwicklung extremistischer Einstellungen bei Kindern sowie Entwicklung von möglichen Konzepten einer im Kindesalter bereits ansetzenden Prävention. Entsprechende Erkenntnisse wären wichtig, um Ansätze der Prävention oder Intervention gezielter entwickeln und umsetzen zu können.

 

Zielgruppen

 

(1)   Jugendliche in strukturschwachen Regionen und Kommunen:

Diese Jugendlichen verfügen häufig nicht über ausreichende Angebote zur sozialen Integration in demokratische Strukturen. Gerade hier setzen verstärkt rechtsextreme Organisationen durch jugendspezifische Angebote an.

(2)   Männliche Jugendliche aus „bildungsfernen“ Milieus mit Affinität zu Fremdenfeindlichkeit:

Diese Jugendlichen fallen öffentlich am stärksten auf (z.B. durch Gewaltbereitschaft) und sind durch Präventionsangebote bisher nur schwer zu erreichen.

(3)   Kinder und jüngere Jugendliche:

Es fehlt bis heute an einer systematischen Zuspitzung  vorliegender Ansätze Sozialen Lernens – z.B. in Kindergarten und Grundschule – in Hinblick auf die altersgemäße Prävention von Rechtsextremismus / Fremdenfeindlichkeit / Antisemitismus.

(4)   Migrant/innen:

Es ist notwendig, hier lebende Menschen mit Migrationshintergrund auch im Rahmen der pädagogischen Präventions- und Bildungsarbeit zu erreichen.

(5)   Eltern, Erzieher/innen, Lehrer/innen, Sozialpädagogen:

Die Erreichung der Zielgruppe der unmittelbar mit der Erziehung der Kinder und Jugendlichen Befassten ist aus den Erfahrungen der Umsetzung des bisherigen Aktionsprogramms wichtig.

(6)   Multiplikator/innen:

Die Einbeziehung von Multiplikator/innen in das Programm ist ein übergreifender Ansatz, da für die erfolgreiche Arbeit mit den unter a) – e) genannten Zielgruppen auch unter modellhaften Gesichtspunkten (Bundeskompetenz!) die Qualifizierung von Menschen aus verschiedenen Altersgruppen und verschiedenen beruflichen Hintergründen unabdingbar ist.

(7)   lokale einflussreiche und deutungsmächtige Akteursgruppen:

Rechtsextremismus ist kein „Jugendproblem“, sondern als Problem der politischen Kultur in allen Bevölkerungsgruppen vorzufinden. Von daher gilt es, die Zielgruppe der lokalen „Meinungsträger“ aus den Kirchen, Vereinen, politischen Parteien, kulturellen Einrichtungen, Verwaltungen und lokalen Wirtschaftsunternehmen verstärkt anzusprechen und für die Themen des Bundesprogramms zu aktivieren.

     

     

nach oben